Handgemachte Seifenstücke in Papier, Cremetiegel aus Braunglas, Holzbürste und getrocknete Kräuter auf einem Holzregal
Feste Seife, Braunglas, Nachfüllflaschen: Der Verpackungsanteil ist der Hebel, der am schnellsten wirkt.

Läden in Hildesheim

Zertifizierte Naturkosmetik steht inzwischen auch im Drogeriemarkt. Der Unterschied in einem Fachgeschäft liegt weniger im Sortiment als in der Beratung: Wer wissen will, warum ein Produkt bei empfindlicher Haut funktioniert und das nächste nicht, bekommt dort eine Antwort statt eines Regalschilds.

die Knolle

Goschenstraße 73. Erster Bioladen der Stadt, seit über 40 Jahren am Ort, mit Unverpackt-Station, Naturkosmetik und umweltfreundlichen Wasch- und Putzmitteln. Mo bis Fr 9 bis 18 Uhr, Sa 9 bis 13 Uhr, Telefon 05121 131452.

EL PUENTE Weltladen

Scheelenstraße 21. Fair gehandelte Kosmetik und Naturseifen, dazu Lebensmittel und Kunsthandwerk. Mo 10 bis 14 Uhr, Di bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr, Telefon 05121 37745.

denn's Biomarkt

Alfelder Straße 56 P. Rund 6.000 Bio-Produkte, darunter eine eigene Abteilung für ökologische Drogerie und Naturkosmetik. Für den Wocheneinkauf die größte Auswahl in Hildesheim.

betterlife (Reformhaus Bacher)

Hoher Weg 32-33, mitten in der Fußgängerzone. Klassisches Reformhaus-Sortiment mit Naturkosmetik, Nahrungsergänzung und pflanzlichen Arzneimitteln.

Fairer Handel mit lokalem Bezug

Hinter dem Weltladen in der Scheelenstraße steht mehr als ein einzelnes Geschäft: EL PUENTE ging 1972 aus einer ökumenischen Arbeitsgruppe in Hildesheim hervor, 1977 kam die Importorganisation dazu. Deren Firmensitz liegt heute in Nordstemmen im Landkreis, mit rund 5.000 Produkten von etwa 140 Handelspartnern in gut 40 Ländern - Kosmetik und Seifen inklusive. Fair gehandelte Sheabutter aus Ghana kommt also über eine Firma in die Region, die zwanzig Kilometer entfernt sitzt.

Der Unverpackt-Laden grammliebe am Kurzen Hagen taucht in vielen Empfehlungslisten noch auf. Er hat aufgegeben, nachdem sich keine Nachfolge fand; die Domain ist inzwischen geparkt. Für loses Nachfüllen bleibt die Station bei der Knolle.

Siegel: was sie bedeuten

Weil weder „Naturkosmetik" noch „Bio-Kosmetik" gesetzlich definiert sind, ist die Werbung auf der Vorderseite wertlos. Aussagekraft haben nur die privaten Siegel - und die sind deutlich strenger als die EU-Kosmetikverordnung.

95 %
Bio-Anteil bei Stufe „Organic"
~30
Siegel im Umlauf
0
rechtlicher Schutz des Begriffs
2
Stufen: Natural und Organic

COSMOS und NATRUE

Die europäischen Prüfzeichen BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association haben sich auf den gemeinsamen COSMOS-Standard geeinigt. Daneben steht das NATRUE-Siegel. Beide unterscheiden zwei Stufen: „Natural" für Naturkosmetik und „Organic" für Bio-Kosmetik, bei der mindestens 95 Prozent der pflanzlichen und tierischen Rohstoffe aus biologischer Landwirtschaft stammen müssen.

Was zertifizierte Produkte nicht enthalten dürfen

Verboten sind Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, Silikone und PEG-Verbindungen, mineralölbasiertes Mikroplastik sowie ein großer Teil der synthetischen Konservierungsstoffe. Auch beim Thema Tierversuche gehen die Siegel über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

Das bekannteste Schlupfloch: Wasser darf beim Naturanteil mitgerechnet werden. Eine Lotion, die zu 80 Prozent aus Wasser besteht, kommt damit rechnerisch auf einen hohen „Naturanteil", ohne dass der Rest besonders natürlich sein müsste. Deshalb zählt das Siegel, nicht die Prozentangabe auf der Schauseite.

Mikroplastik und andere Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffliste steht in INCI-Nomenklatur auf jeder Packung - lateinisch für Pflanzen, englisch für alles andere, sortiert nach Menge. Lesbar ist das ohne Übung kaum. Deshalb ist der Barcode-Scan der schnellere Weg.

ToxFox

Der BUND betreibt mit dem ToxFox eine kostenlose App, mit der sich Produkte über den Barcode prüfen lassen. Bewertet werden hormonell wirksame Schadstoffe, Mikroplastik und Nanopartikel. Bei Kosmetik gibt es das Ergebnis sofort, weil die Inhaltsstoffe deklarationspflichtig sind. Bei anderen Produkten geht eine „Giftfrage" an den Hersteller, der binnen 45 Tagen antworten muss, sobald ein besonders besorgniserregender Stoff über 0,1 Gewichtsprozent enthalten ist. Knapp 3,5 Millionen Menschen nutzen die App.

Wo Mikroplastik steckt

Nicht nur in Peelings mit sichtbaren Kügelchen. Flüssige, gelförmige und gelöste Kunststoffe stecken auch in Duschgel, Shampoo, Make-up und Sonnencreme, wo sie als Filmbildner oder Bindemittel dienen. In der INCI-Liste tauchen sie unter Namen wie Acrylates Copolymer, Polyquaternium oder Carbomer auf. Zertifizierte Naturkosmetik ist an dieser Stelle die einfachere Abkürzung als jede Merkliste.

Wer tiefer einsteigen will: Die BUND-Kreisgruppe Hildesheim arbeitet vor Ort zu Chemie- und Umweltthemen und ist über die Landesverbände direkt mit den Kampagnen verbunden, aus denen der ToxFox stammt.

Verpackung: fest statt flüssig

Bei Pflegeprodukten steckt ein erheblicher Teil des ökologischen Fußabdrucks nicht im Inhalt, sondern in Plastikflasche, Pumpspender und Umkarton - und im Wasser, das mittransportiert wird. Feste Produkte drehen genau diese Rechnung um.

🧼

Feste Seife

Papierbanderole statt Flasche, hält länger als gedacht

💇

Festes Shampoo

Zwei bis drei Wochen Umgewöhnung einplanen

🫙

Nachfüllen

Eigenes Gefäß mitbringen, vorher sauber und trocken

🪥

Zahnbürste aus Holz

Borsten vor dem Entsorgen herausziehen

Ein praktischer Hinweis zu fester Seife: Sie hält deutlich länger, wenn sie zwischen zwei Duschgängen abtrocknen kann. Eine Ablage mit Rillen oder ein Seifensäckchen macht den Unterschied zwischen sechs Wochen und drei Wochen Haltbarkeit aus.

Fehlkäufe vermeiden

Der größte Müllposten im Badezimmer ist nicht die Verpackung, sondern das halbvolle Produkt, das nicht vertragen wurde und trotzdem drei Jahre im Schrank steht. Gerade bei Naturkosmetik passiert das häufiger, weil ätherische Öle und Pflanzenauszüge bei empfindlicher Haut anders reagieren als synthetische Formulierungen - und weil Umstellungen Zeit brauchen.

Deshalb lohnt sich das Testen in kleinen Mengen: Proben und Miniaturen erlauben es, Verträglichkeit und Konsistenz zu prüfen, bevor die große Flasche im Korb landet. Beim Onlinekauf fällt dieser Test sonst komplett weg, was Retouren und Wegwerfware produziert - warum Produktproben aus dieser Perspektive sinnvoll sind, siehe hier.

Im Laden geht es einfacher: In den Fachgeschäften der Stadt liegen zu vielen Serien Tester aus, und nach Proben zu fragen kostet nichts. Bei einer Umstellung auf Naturkosmetik lohnt es außerdem, nicht alles gleichzeitig zu wechseln - sonst lässt sich nicht zuordnen, welches Produkt die Reaktion ausgelöst hat.

Selber machen

Ein Teil der Pflegepalette lässt sich mit wenigen Zutaten aus dem Bioladen selbst herstellen, und zwar der Teil, bei dem Konservierung kein Thema ist. Alles ohne Wasser ist unkritisch und hält monatelang: Körperöle, Balsame aus Öl und Bienenwachs, Zuckerpeelings, Trockenshampoo aus Heilerde.

Heikel wird es, sobald Wasser dazukommt. Cremes und Lotionen sind mikrobiologisch empfindlich und brauchen entweder ein Konservierungsmittel oder sauberes Arbeiten plus Kühlschrank und kurzen Verbrauch. Wer dabei improvisiert, tauscht ein bisschen Verpackung gegen ein Hautproblem.

Beim Seifensieden kommt Natronlauge ins Spiel - Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht, und der Einstieg gelingt in einem Kurs deutlich sicherer als nach einem Video. Wachs und Bienenwachs für Balsame gibt es übrigens direkt bei den Imkereien der Region, mehr dazu auf der Seite zum Imkern in Hildesheim.

Zutaten für die einfachen Rezepte stehen bereits im Regal: Bio-Sonnenblumen- oder Mandelöl, Kokosfett, Heilerde, Natron und Sheabutter bekommst du in den Bioläden der Stadt, ätherische Öle im Reformhaus.

Klein anfangen lohnt sich mehr

Das Badezimmer komplett auszutauschen ist die teuerste und unökologischste Variante des Umstiegs. Sinnvoller ist, jedes Produkt erst dann zu ersetzen, wenn es leer ist - und mit den Dingen anzufangen, die am häufigsten nachgekauft werden: Duschgel, Shampoo, Handseife.

Nach einem Jahr ist der Wechsel dann fast von allein passiert, ohne einen einzigen halbvollen Tiegel im Müll.