Imkervereine in Hildesheim
Wer mit Bienen anfangen will, landet in Deutschland fast zwangsläufig zuerst bei einem Verein. Das hat weniger mit Vereinsmeierei zu tun als mit Praxis: Der Verein vermittelt die Patenimkerin oder den Patenimker, über ihn läuft der Versicherungsschutz, und Ableger für den Start kommen meist aus dem eigenen Netzwerk.
Imkerverein Hildesheim
Gegründet 1917, Mitglied im Landesverband Hannoverscher Imker. Er organisiert Imkerstammtische, Schulungstermine und den bienenkundlichen Grundkurs. Kontakt: vorstand@imkerverein-hildesheim.de, Telefon 0175 81 71 78 2.
Imkerverein Kloster Marienrode e.V.
2012 gegründet, betreibt innerhalb der Klostermauern einen Lehrbienenstand auf 1.000 Quadratmetern. Neben Theorie- und Praxistagen gibt es Königinnenzucht, Fachvorträge und Besuche von Schulklassen.
Kreisimkerverein Hildesheim
Dachstruktur über den Ortsvereinen im Landkreis. Der Landesverband Hannoverscher Imker zählt insgesamt über 9.800 Mitglieder mit rund 65.000 Bienenvölkern in 125 Imkervereinen und 30 Kreisvereinen.
Die Mitgliedschaft ist kein reiner Formalismus: Über den Landesverband läuft der Versicherungsschutz für Bienenvölker und Imkerei, und einige Kursanbieter in Hildesheim geben Vereinsmitgliedern spürbare Rabatte.
Imkern lernen: Kurse und Preise
Ein Wochenendkurs reicht beim Imkern nicht. Bienen arbeiten im Jahresrhythmus, und viele Handgriffe lassen sich nur zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigen - die Schwarmkontrolle im Mai, die Varroabehandlung im Sommer, die Einwinterung im Spätsommer. Gute Kurse laufen deshalb über eine komplette Saison.
Bienenkundlicher Grundkurs des Imkervereins
Der Kurs des Imkervereins Hildesheim funktioniert nach dem Patenmodell: Jede Neuimkerin und jeder Neuimker bekommt einen Patenimker zugeteilt und arbeitet mit ihm direkt am Volk. Zu rechnen ist mit etwa zwei bis vier Terminen im Monat, überwiegend an Wochenenden. Dazu kommen zwei verpflichtende Theorieveranstaltungen zu Bienenbiologie, Bienenkrankheiten und Verbandsstrukturen. Der nächste Durchgang startet ab dem 1. März 2026.
Nach erfolgreichem Abschluss stellt der Verein eine Bescheinigung aus. Die ist mehr als ein Andenken: Sie lässt sich Förderanträgen für die Neueinrichtung von Bienenständen beilegen. Die Anmeldung läuft über ein PDF-Formular, per E-Mail oder telefonisch.
Kurse beim Honigwerk Hildesheim
Das Honigwerk in der Heinrich-Helmke-Straße 17 bietet drei Formate an - Schnupperimkern für den ersten Eindruck, einen Theoriekurs und einen Praxiskurs. Der Theoriekurs kostet 60 Euro, für Vereinsmitglieder 50 Euro. Der Praxiskurs liegt bei 230 Euro, für Mitglieder bei 200 Euro. Die Imkerei kooperiert mit dem Imkerverein Kloster Marienrode; Mitglieder bekommen dort neben dem Rabatt auch Versicherungsschutz und können Ausrüstung leihen.
Honigmanufaktur Eggers
Die Honigmanufaktur Eggers gliedert ihr Angebot in Orientierungskurs, Theorie- und Praxis-Anfängerkurs sowie eine Imker-Sprechstunde für konkrete Fragen zwischendurch. Die Praxistermine folgen dem Bienenjahr und behandeln nacheinander Bienenschwarm, Varroamilbe, Einwinterung, Winterbehandlung, erste Durchschau und Schwarmzeit. Aktuelle Termine und Preise am besten direkt erfragen.
Im Winter anmelden
Kurse starten mit der Saison im Februar und März
Paten fragen
Praxis am fremden Volk, bevor eigene Bienen kommen
Ableger reservieren
Über den Verein, nicht über Kleinanzeigen
Bescheinigung sichern
Grundlage für Förderanträge zum Bienenstand
Anmeldung und Pflichten
Bienen sind rechtlich Nutztiere - und zwar auch dann, wenn drei Beuten hinter der Gartenhecke stehen und der Honig komplett in der eigenen Familie bleibt. Die Anzeige beim Veterinäramt ist Pflicht, und zwar vor Beginn der Haltung.
Registrierung beim Landkreis Hildesheim
Zuständig ist das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Hildesheim, Marie-Wagenknecht-Straße 3, 31134 Hildesheim. Der Landkreis stellt dazu klar: Wer Nutztiere hält - Bienen sind ausdrücklich genannt -, hat die Tierhaltung anzuzeigen, und das gilt auch für Hobbyhaltungen. Eingereicht wird ein ausgefüllter Registriernummernantrag, die Anzeige kostet 30 Euro. Danach kommen Registriernummer und PIN von der VIT Verden.
Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz
Marie-Wagenknecht-Straße 3, 31134 Hildesheim
Telefon 05121 309-0
veterinaeramt@landkreishildesheim.de
Gebühr für die Anzeige: 30,00 Euro
Was die Bienenseuchen-Verordnung verlangt
Gemeldet werden Standort und Anzahl der Bienenvölker. Dauerstände werden kartiert, die durchschnittliche Besatzung angegeben. Neue Stände und dauerhafte Verlegungen sind nachzumelden. Der Grund ist Seuchenbekämpfung: Die Amerikanische Faulbrut ist EU-weit anzeigepflichtig, ebenso der Befall mit der Tropilaelaps-Milbe.
Für Standortwechsel braucht es eine Bescheinigung über Faulbrutfreiheit. Eine klinische Untersuchung ist neun Monate gültig, eine labordiagnostische zwölf Monate. Fachlich beraten wird das Ganze vom Institut für Bienenkunde Celle des LAVES, das für Niedersachsen auch Diagnostik und Fortbildung übernimmt.
Häufige Verwechslung: Bei der Niedersächsischen Tierseuchenkasse sind Bienen derzeit nicht meldepflichtig. Die Anzeigepflicht gegenüber dem Veterinäramt besteht davon unabhängig - und sie ist die, die zählt.
Kosten und Zeitaufwand
Der Einstieg beginnt üblicherweise mit zwei bis drei Völkern. Ein einzelnes Volk ist schlechte Beratung, weil der Vergleich fehlt: Erst neben einem zweiten Volk erkennt man, ob eines schwächelt, und Waben oder Brut lassen sich zwischen Völkern ausgleichen.
Was Bienen kosten
Am günstigsten ist ein Ableger aus einem Schwarm, der je nach Region und Zeitpunkt etwa 50 bis 70 Euro kostet. Gekauft wird er sinnvollerweise im April oder Mai, damit das Volk bis zum Winter genug Zeit zur Entwicklung hat. Dazu kommen Beuten, Rähmchen, Mittelwände, Schleuder, Smoker, Stockmeißel und Schutzkleidung - die Erstausstattung ist der eigentliche Kostenblock, die Bienen selbst sind der kleinere Posten.
Was Bienen an Zeit kosten
Als Faustzahl gelten rund zehn Stunden pro Bienenvolk und Jahr. Die Zahl täuscht allerdings, weil sie sich extrem ungleich verteilt: Im Mai und Juni ist wöchentliche Schwarmkontrolle nötig, im Januar passiert wochenlang gar nichts. Wer im Frühsommer drei Wochen am Stück verreist, hat ein Problem - und braucht spätestens dann jemanden aus dem Verein.
Genau daran scheitern die meisten Einstiege, nicht am Geld. Bienen lassen sich nicht auf später verschieben; der Termin steht im Volk, nicht im Kalender. Wer ein Hobby sucht, das sich flexibel in einen vollen Alltag einpassen lässt, ist mit Handarbeit zu Hause besser bedient und kann dort verschiedenen Hobbys nachgehen, die keine Saison kennen. Beides schließt sich nicht aus - der Imkerwinter ist lang.
Und der Ertrag?
Ein Volk bringt im Schnitt 20 bis 30 Kilogramm Honig im Jahr, mit deutlichen Schwankungen je nach Witterung und Tracht. Bei etwa fünf Völkern haben sich die Anschaffungskosten erfahrungsgemäß nach vier bis fünf Jahren amortisiert. Als Nebenverdienst taugt das Hobby trotzdem kaum: Nach den Zahlen des Deutschen Imkerbunds erntet die gesamte deutsche Imkerschaft 15.000 bis 25.000 Tonnen im Jahr und deckt damit rund ein Fünftel des heimischen Verbrauchs.
Standort, Nachbarn und Recht
Die zweite Hürde nach der Anmeldung ist der Platz. Ein Bienenstand braucht keine große Fläche, aber einen Standort, an dem Flugbetrieb niemanden stört - und eine Nachbarschaft, die informiert ist, bevor die erste Beute steht.
Garten, Balkon, Streuobstwiese
Imkern ist grundsätzlich überall dort möglich, wo der Bebauungsplan es nicht ausdrücklich verbietet. Ein Blick in den Bebauungsplan der eigenen Straße lohnt sich also vor dem Kurs, nicht danach. Mieterinnen und Mieter holen sich die Erlaubnis besser schriftlich beim Vermieter: Bienen gehören nicht zu den Kleintieren, die ohne Zustimmung gehalten werden dürfen. In Wohnungseigentümergemeinschaften ist die Lage noch enger - Gerichte haben Bienenvölker auf Gemeinschaftsbalkonen bereits untersagt.
Nachbarn
Solange von den Völkern keine wesentliche Beeinträchtigung ausgeht, ist die Rechtslage imkerfreundlich. Nachbarn müssen Bienen im Nachbargarten grundsätzlich dulden; allgemeine Angst oder das Summen allein reichen für ein Verbot nicht aus. Praktisch hilft trotzdem vor allem eines: früh reden, das Flugloch von Wegen und Sitzplätzen wegdrehen, und im Sommer ein Glas Honig über den Zaun reichen.
Beim Umsetzen eines Volkes gilt die Drei-Kilometer-Regel: Unterhalb dieser Entfernung finden die Flugbienen zum alten Standort zurück. Ein Umzug innerhalb desselben Gartens ist deshalb schwieriger als einer über den halben Landkreis.
Honig aus der Region
Nicht jeder braucht eigene Völker, um regionalen Honig zu bekommen. Der kürzeste Weg führt direkt zum Bienenstand - der Preisunterschied zum Supermarktglas erklärt sich über die Erntemenge pro Volk und die Handarbeit dahinter.
Lehrbienenstand Kloster Marienrode
Honigverkauf mittwochs von 15 bis 17 Uhr am Lehrbienenstand innerhalb der Klostermauern. Wer Fragen zum Einstieg hat, ist dort gleich an der richtigen Stelle.
Honigwerk Hildesheim
Imkerei in der Heinrich-Helmke-Straße 17 mit eigenem Honigsortiment, Kursen und Vorträgen rund um Bienen.
Honig direkt vom Verein
Viele Vereinsmitglieder verkaufen ab Hof in kleinen Mengen. Der Kontakt läuft am einfachsten über den Imkerverein oder über einen Stammtisch.
Auf den Wochenmärkten in Hildesheim stehen je nach Saison ebenfalls Imkereien aus der Umgebung. Wer wissen will, wo genau der Honig gewachsen ist, fragt nach dem Standort der Völker - eine Antwort darauf hat jede Imkerin und jeder Imker sofort parat.
Bienen helfen ohne eigene Völker
Ein verbreitetes Missverständnis: Honigbienen zu halten ist kein Naturschutz. Die Honigbiene ist ein Nutztier und in Deutschland nicht bedroht - unter Druck stehen die Wildbienen, und für sie ändert ein weiteres Volk in der Nachbarschaft nichts zum Besseren.
Was Wildbienen brauchen
Rund drei Viertel der Wildbienenarten nisten im Boden und brauchen offene, sonnige Bodenstellen - also genau das, was in aufgeräumten Gärten und auf gemulchten Beeten fehlt. Dazu kommt ein durchgehendes Blühangebot vom Frühjahr bis in den Herbst, möglichst nah an den Nistplätzen.
BUND Kreisgruppe Hildesheim
Arbeitet in der AG Naturnah Gärtnern, gibt Saatgut und Pflanzempfehlungen aus und hat Wildbienen-Exkursionen und Bestimmungsworkshops im Programm. Der Friedhof am Moritzberg gilt dabei als lokaler Artenschwerpunkt.
NABU Hildesheim
Braunschweiger Straße 23, 31134 Hildesheim. Die AG Naturgarten unterstützt beim Umbau des eigenen Gartens, dazu gibt es Material zu Insektensterben und Anleitungen für Nisthilfen. Kontakt: vorstand@nabu-hildesheim.de
Blühflächen statt Rasen
Heimische Stauden, Totholz, offene Sandstellen und ein Verzicht auf den späten Rasenschnitt wirken schneller als jede Nisthilfe aus dem Baumarkt.
Wer sich für den ökologischen Zusammenhang interessiert, findet auf der Seite zu Baumschutz in Hildesheim und bei den Tierrechts- und Naturschutzgruppen weitere Anlaufstellen in der Stadt.
Weiterführende Links & Quellen
Imkerverein Hildesheim
Bienenkundlicher Grundkurs mit Patenmodell über eine ganze Saison
Lehrbienenstand Kloster Marienrode
Imkerverein Kloster Marienrode e.V. mit Lehrbienenstand und Honigverkauf
Honigwerk Hildesheim
Schnupperimkern, Theorie- und Praxiskurs mit Preisen
Kreisimkerverein Hildesheim
Vereine und Termine im Landkreis
Landkreis Hildesheim
Registrierung der Tierhaltung inklusive Bienen, mit Antrag und Gebühr
Institut für Bienenkunde Celle
Fachbehörde des LAVES für Beratung, Diagnostik und Fortbildung
Bienenseuchen-Verordnung
Pflichten für Bienenhalter in Niedersachsen im Überblick
Landesverband Hannoverscher Imker
Versicherungsschutz und Dachverband für die Vereine der Region
BUND Hildesheim: Wildbienen
Nisthilfen, Pflanzenlisten und Exkursionen zu Wildbienen
Deutscher Imkerbund
Zahlen zu Imkerschaft, Völkern und Honigernte in Deutschland
Erst schauen, dann kaufen
Der sinnvollste erste Schritt kostet nichts: einmal bei einem Stammtisch vorbeigehen oder einen Mittwochnachmittag am Lehrbienenstand verbringen. Wer danach immer noch Lust hat, meldet sich zum Grundkurs an - und kauft die Ausrüstung erst, wenn feststeht, mit welchem Beutensystem der Patenimker arbeitet.
Andersherum wird es teuer. Eine komplette Erstausstattung im falschen Maß lässt sich später kaum tauschen, weil Rähmchen und Zargen zwischen den Systemen nicht passen.